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Mitteilungsheft 3/98

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TELEMETRISCHE BEOBACHTUNGEN DER CIRCADIANEN RHYTHMIK DER KÖRPERTEMPERATUR DER GATTUNG ACOMYS IN DER JUDÄISCHEN WÜSTE VON ISRAEL

R.Elvert und G.Heldmaier, Marburg

Zwei Stachelmausarten der Gattung Acomys koexistieren in felsigen Gebieten im Süden von Israel. Fangdaten zeigten, daß die "Gewöhnliche Stachelmaus" (Acomys (cahirinus) dimidiatus) wie die meisten Wüstennagetiere während der Nacht aktiv ist, wogegen die "Goldene Stachelmaus" (Acomys russatus) tagaktiv ist. Shkolnik zeigte auch, daß bei Abwesenheit von A. cahirinus im Habitat A. russatus, wieder nachtaktiv wird. Diese scharfe zeitliche Aufspaltung des Aktivitätsrhythmus ist einmalig unter Artverwandten. Inwieweit ist nun die Veränderung des Aktivitätsrhythmus mit anderen physiologischen Rhythmen, wie z.B. Körpertemperatur (Tb) gekoppelt? Die Verwendung von neuartigen Temperaturtransmittem ermöglichte erstmals eine kontinuierliche Aufnahme der Körpertemperaturdaten zu verschiedenen Jahreszeiten von freilebenden Tieren der Größenordnung von 35 -65g. Wir führten diese Arbeit von Februar 1995 bis Februar 1996 im Gebiet des Ein Gedi Naturparks (31° 21' N, 35º 23'E, 100 - 350 m u. NN) nahe der Ein Gedi-Field School im Dreimonatsrhythmus durch. Charakteristisch für das Habitat dar Stachelmäuse, in Ein Gedi sind steile geröllreiche Felshänge, die parallel zum Toten Meer verlaufen. Riesige Felsbrocken wechseln mit kleinerem Geröll und Steinen ab. Es entstehen schattige Höhlen, die einen idealen Lebensraum für Stachelmäuse darstellen. Auf einem ca. 5000 m^2 großen Hangabschnitt wurden die Mäuse mit Hilfe von 50 Lebendfallen (Typ Sherman) gefangen und markiert.

Das Körpergewicht bei adulten Tieren schwankte bei A. cahirinus zwischen 30 g und 45 g, bei A. russatus zwischen 45 g und 85 g. Tiere mit hohen Wiederfangraten wurden mit Transmittem der Firma Ökokart E&V in München versehen. Mit unterschiedlichen, fest eingestellten Frequenzen sendeten die Transmitter Signale mit einem Pulsintervall In Abhängigkeit der Tb. Zwei Antennen empfingen die Signale, die an einen Tracking Receiver (B+R, Freiburg) weitergegeben und über ein Interface (Datalog, Mönchengladbach) In einen Computer übertragen wurden. Mittels speziell entwickelter Software wurden die Transmitter alle vier Minuten abgerufen. Neben den Körpertemperaturen wurden die Außentemperaturen (Sonne, Schatten, unter Felsen, in der Meßbox) mit Thermoelementen gemessen und in einem Datenlogger (AMR, Holzkirchen) gespeichert. Die Energieversorgung erfolgte über Solarpanels.

Acomys (cahirinus) dimidiatus zeigte einen deutlichen Rhythmus der Tb, der dem eines nachtaktiven Tieres in seinem natürlichen Habitat entspricht. Bisher konnten solche circadianen Rhythmen nur im Labor unter natürlicher Photoperiode festgestellt werden. In der Aktivitätsphase während der Nacht steigt die Temperatur bis auf 37,5°C. In der Inaktivitätsphase am Tag fällt sie bis auf 34C herab. Dieser Verlauf der Tb ist unabhängig von der Jahreszeit. Dies ist besonders erstaunlich, da sich sogar Höhlen unter den Felsen im Sommer bis auf 35,8ºC aufheizen. Das heißt, die Aktivität während des Tages scheint nicht gekoppelt zu sein mit einer Phasenverschiebung der Tb in einen für ein tagaktives Tier typischen Verlauf. Im Sommer schwankten die Tb-Werte im Tagesverlauf zwischen 33°C und 39,5°C. Im Gegensatz zu den anderen Jahreszeiten zeigten sich aber in der heißesten Phase des Jahres Temperaturmaxima morgens zwischen 8 und 9 Uhr und abends Zwischen 17 und 19 Uhr. Bei sehr hohen Außentemperaturen scheint sich ein bimodeler Verlauf der Tb einzustellen.

Mit Unterstützung der GIF (Geman Israelian Foundation)

aus: Verhandlungen der Deutschen Zoologischen Gesellschaft: 89.1, 1996

R.Elvert und Prof. G.Heldmaler,
Fachbereich Biologie / Zoologie, Philipps-Universität, 35032 Marburg

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