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Degu
(Octodon degus)


Systematik

Art: Degu (Octodon degus)
Gattung: Strauchratten (Octodon)
Familie: Trugratten (Octodontidae)
Unterordnung: Meerschweinchenverwandte (Caviomorpha)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)

Herkunft, Verwandtschaft und Leben in freier Wildbahn

Degus (Octodon degus) tauchten vermutlich 1975 erstmals als Heimtier auf und werden seitdem immer bekannter und beliebter. Bei ihrer wissenschaftlichen Entdeckung Mitte des 18. Jahrhunderts hielt man sie für Hörnchenartige, und tatsächlich entspricht ihre Lebensweise der einiger Erdhörnchenarten. Auch wenn Degus gelegentlich "Trugratten" genannt werden und zur Gattung der Strauchratten gehören, haben sie mit Ratten recht wenig zu tun. Aufgrund der Anatomie zählt man sie heute zu den Meerschweinchenverwandten (Caviomorpha).

Die ursprüngliche Heimat der Degus sind die chilenischen Anden in Südamerika. Hier kommen sie von der Provinz Atacama bis nach Curico in Nord- und Zentralchile vor und sind bis zu einer Höhe von 1200m zu finden. Oftmals leben sie in der Nähe von menschlichen Siedlungen und gelten dort als Schädlinge. Degus leben in freier Wildbahn in Höhlen, in die sie sich abends und bei Gefahr zurückziehen. Sie ernähren sich vorwiegend von Gräsern, Wurzeln, Samen, Kräutern und Laub. Über pfeifende, zwitschernde und brummende Laute kommunizieren die Tiere mit ihren Artgenossen. Zudem zeigen sie eine interessante Körpersprache. Fremde Sippen werden im eigenen Territorium nicht geduldet und bekämpft.

Die Haarfarbe des wildlebenden Degus ist braun-schwarz meliert mit heller, gelblich-weißer Bauchseite. Der Schwanz ist behaart und mit einer dunklen Quaste versehen. Als weiterer Farbschlag in der Heimtierhaltung ist inzwischen der blaue Degu bekannt (höherer Grauanteil im Fell), sehr selten auch sandfarbige Tiere. Auch schwarze und weiße Tiere soll es bereits geben, jedoch fehlen hier noch nachweisbare Belege. Der etwa 15-20 cm (+ 12cm Schwanzlänge) große Nager ist ein sehr soziales Tier, das in freier Wildbahn in Gruppen von etwa 5-10 Tieren lebt.

Fotos von Sabine Gehrsitz

Degus als Heimtiere

Aufgrund der Lebenserwartung der Degus von durchschnittlich 4-6 Jahren (es sollen schon Tiere das biblische Alter von 12 Jahren erreicht haben!), der überwiegend tagaktiven Lebensweise und ihrem interessanten Sozialverhalten, werden Degus als Heimtiere immer beliebter. Degus sollten niemals einzeln gehalten werden, die sozialen Kontakte sind sehr wichtig. Männchen- und Weibchengruppen verstehen sich normalerweise gleichermaßen gut. Bei gemischten Gruppen kann es leichter zu Rangordnungskämpfen kommen, zudem Ist Degunachwuchs häufig nicht leicht zu vermitteln.

Der Käfig

Im Bezug auf den Käfig ist vor allem der starke Nagetrieb der Degus hervorzueben. Daher scheiden viele im Handel erhältliche Käfige aus, denn Plastikunterschalen und auch manche Alugitter (vor allem an Terrarien) sind schnell durchnagt!
Degus klettern gerne und sind insgesamt sehr aktiv. Es wird daher einen Käfig von mindestens 100 x 50 x 100 cm (Breite x Tiefe x Höhe) für 2-3 Degus empfohlen. Gut geeignet sind einige der im Handel erhältlichen Vogel-, Chinchilla- oder Streifenhörnchenvolieren. Es darf hierbei kein Plastik verarbeitet sein, der Gitterabstand darf nicht zu weit sein. Wer ein wenig handwerkliches Geschick hat, kann selbst einen geeigneten Käfig bauen.

Die Einrichtung und Zubehör

Neben verschiedenen Brettern als Sitzmöglichkeiten (versetzt anbringen, die Tiere dürfen möglichst nicht von ganz oben nach ganz unten im Käfig abstürzen können) brauchen Degus viel Abwechslung im Käfig. Äste zum Nagen, Wurzeln, Tonröhren, Tonblumentöpfe, Korkrinden, Bambusrohre und größere Steine sind nur ein paar Beispiele für eine abwechslungsreiche Käfigeinrichtung. Korkröhren z.B. kann man aufhängen, so dass die Degus klettern müssen, um sie zu erreichen.
Ein Sandbad ist wichtig für die Körperpflege der Tiere. Für Degus muss es nicht unbedingt Chinchillasand sein, etwas feinerer Vogelsand (grobe Bestandteile können herausgesiebt werden) reicht vollkommen aus.
Eine oder mehrere Trinkflaschen bzw. ein gut stehender Wassernapf sind ein Muss im Deguheim, während Futternäpfe nicht von allen Haltern verwendet werden - manche streuen das Futter einfach in den Käfig. Degus sind oft sehr futterneidisch und verteidigen einen Napf vehement, daher sollten bei mehreren Tieren auch mehrere Näpfe zur Verfügung stehen bzw. das Futter an mehreren Stellen im Käfig verteilt werden.
Als Einstreu eignet sich handelsübliche Kleintierstreu (Hobelspäne). Stroh und Heu ist zum Nestbau sehr beliebt, außerdem kann man unbedrucktes, unparfümiertes Toilettenpapier, Taschentücher o.ä. anbieten.

Die Ernährung

Degus leben in freier Wildbahn von einem recht kargen Angebot. Ihr Verdauungstrakt hat sich an diese Ernährung angepasst. Zucker (auch Fruchtzucker) und fettige Dinge wie Nüsse sollten daher möglichst selten oder gar nicht verfüttert werden.
Der Hauptbestandteil des Degufutters ist Heu. Es sollte daher immer frisch zur Verfügung stehen. Degufutter kann man sich selbst mischen, inzwischen gibt es im Handel auch fertige Mischungen für Degus (leider ist nicht jedes überzeugend). Bei einer eigenen Mischung kann Meerschweinchenfutter, getrocknetes Gemüse und Kräuter verwendet werden, außerdem evtl. auch Chinchillapellets. Wichtig ist hier:
wenig oder besser keine Nüsse/Sonnenblumenkerne, möglichst kein Zucker (in manchem Meerschweinchenfutter ist beispielsweise Honig enthalten) und nicht zu viel Getreide.
Statt Früchten (Fruchtzucker!) sollte lieber Gemüse, Gräser oder Kräuter auf dem Futterplan stehen. Geeignet sind hier beispielsweise Karotten, Paprika, Chicoree, ungespritzte, belaubte Äste von Apfelbaum, Hasel, Weide uvm.
Achtung, durch bestimmtes Futter (Karotte, Rote Beete, Apfelbaumäste etc.) kann sich der Urin der Degus rötlich färben.
Wasser muss den Tieren jederzeit zur Verfügung stehen!

Nachwuchs im Deguheim

Etwa im Alter von 6 Wochen (Weibchen) bzw. ca. drei Monaten (Männchen) sind Degus geschlechtsreif. Durchschnittlich kommen 4-6 Jungtiere nach einer Tragzeit von etwa 90 Tagen zur Welt, es können aber auch bis zu 12 Jungtiere sein!
Degunachwuchs kommt bereits sehr weit entwickelt zur Welt und ist besonders faszinierend zu beobachten, da die Tiere ein sehr ausgeprägtes Sozial- und Spielverhalten zeigen. Nach spätestens sechs Wochen sind die Jungtiere normalerweise entwöhnt und selbständig. Degunachwuchs ist meist relativ schwer zu vermitteln, die Haltung von Pärchen sollte daher wohl überlegt sein.

Diabetes

Eine der häufigsten Erkrankungen bei Degus ist die Linsentrübung als Folge von Diabetes. Die Zuckerkrankheit kann vererbt werden und ist auch bei wildlebenden Degus bekannt. Eine möglichst zuckerarme Ernährung ist wichtig, um die Folgen nicht noch unnötig herauszufordern.
Die Pupille wirkt durch die Linsentrübung (= Katarakt, grauer Star) milchig. Eine Behandlungsmethode ist bisher nicht bekannt. Betroffene Tiere können meist nur noch Licht und Schatten erkennen, sind dadurch jedoch normalerweise nicht sehr eingeschränkt und gewöhnen sich schnell daran. Viele Degus werden trotz Diabetes sehr alt. Leider kann es auch passieren, dass die erkrankten Degus innerhalb eines halben Jahres sterben.

Autor: Sabine Gehrsitz von www.degus-online.de


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